Verschwörungstheorien: Warum sie gar keine Theorien sind


Verschwörungstheorien, auch wenn sie in Zeiten von Corona einen enormen Aufschwung erlebten, es gibt sie schon ewig, sei es die Mondlandung, die angeblich nicht stattgefunden hat, der 11. September, der von der US Regierung inszeniert wurde, oder die Bilderberger, welche im geheimen die Welt beherrschen, etwas neues sind sie nun wirklich nicht.


Bereits gegen 1994 entstand z.B. mit der „Bielefeld Verschwörung“ eine Parodie auf Verschwörungstheorien, welche seitdem als Running Gag durchs Internet geistert und auf die wohl jeder schon mal gestoßen ist, der in einem Chat, in sozialen Medien oder sonstwo „behauptet“ hat er sei in Bielefeld gewesen, denn das wollten „Sie“ ihm natürlich nur weismachen. So unterschiedlich sie auch sein mögen, eins haben all diese Verschwörungstheorien gemeinsam, sie sind genau genommen keine Theorien!

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Verschwörungstheorien sind keine Theorien!

Wenn Verschwörungstheorien eigentlich gar keine Theorien sind, was sind sie dann?

Nun, da gibt es so einige Bezeichnungen, die zumindest deutlich zutreffender wären als „Theorie“, z.B. Mythos, Erzählung oder auch Hypothese. Das Problem dabei ist, dass viele Menschen nicht einmal wissen was eine Theorie überhaupt ist, sie hat nämlich im Grunde nur sehr wenig mit der umgangssprachlichen Bedeutung von „theoretisch“ zu tun, damit meint man nämlich in der Regel so viel wie „das könnte so sein, könnte aber genauso gut auch ganz anders sein“, aber so etwas ist nun mal eben keine Theorie.

Eine Theorie, speziell im wissenschaftlichen Sinne, ist vielmehr ein Abbild der Realität, basierend auf, unter anderem, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen, auf dessen Grundlage Vorhersagen getroffen werden. Eine Theorie muss außerdem immer (experimentell / empirisch) bewiesen oder widerlegt werden können. Eine deutlich umfangreichere Erklärung, was genau alles eine wissenschaftliche Theorie ausmacht, findet ihr z.B. hier.

Dieses Problem sorgt unter anderem dafür, dass viele Menschen echte (wissenschaftliche) Theorien fälschlicherweise anzweifeln. Wie z.B. gewisse Deppen, die meinen, sie würden nicht an die Evolutionstheorie „glauben“ – dabei ist das nichts, an das man „glauben“ müsste, sie ist quasi erwiesen, sie nennt sich nur Theorie und nicht z.B. „Gesetz“ weil die Wissenschaft es nun einmal sehr genau nimmt, und es noch kleine Teilbereiche gibt, die man damit noch nicht 100%ig erklären kann, das widerlegt aber noch lange nicht die Theorie als Ganzes, welche ausgesprochen gut belegt ist.


Hier kommt dann noch ein weiteres Verständnisproblem hinzu, und zwar die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „glauben“, da gibt es zum einen die religiöse Variante, bei dieser wird irgendeine beliebige Behauptung ohne jegliche Beweise als wahr angenommen, einfach weil man will, dass es wahr ist, egal wie realitätsfern es auch sein mag, sowie zum anderen die eher wissenschaftliche Bedeutung, die letztlich einfach so viel besagt wie „auf Basis der mir verfügbaren Informationen vermute ich, dass am wahrscheinlichsten XYZ zutrifft“, was aber im allgemeinen Sprachgebrauch natürlich „etwas“ umständlich wäre, weshalb man auch hier meist von „glauben“ spricht, auch wenn es etwas völlig anderes bedeutet.

Erschwerend kommt dann noch dazu, dass Menschen oft denken, sie würde letzere Bedeutung verwenden, obwohl es tatsächlich die erstere ist, wie u.a. das Beispiel mit der Evolution zeigt (es sei ja „nur eine Theorie“ an die man angeblich glauben könne oder auch nicht – und ähnlicher Unfug…).

„Verschwörungstheorien“ verfügen also in der Regel nicht über die Merkmale, die eine Theorie ausmachen, sie sind nicht wissenschaftlich fundiert, sind weder widerlegbar (weil ja angeblich alles von höchster Stelle vertuscht wird) noch beweisbar (klar, weil ja reine Phantasieprodukte), zudem geht der „Glaube“ der Anhänger an diese Erzählungen ganz klar in die religiöse Richtung, genau wie dort gehen sie schließlich ohne jegliche Beweise einfach davon aus, dass diese Geschichten wahr sind, einfach weil sie es so wollen, möglicherweise, damit sie sich als Teil der „wenigen Erleuchteten“ / der „armen Unterdrückten“ sehen können oder was auch immer.

Letztlich sollte man die sogenannten „Verschwörungstheorien“ also besser Erzählungen, Mythen oder Hypothesen nennen, von mir aus auch Märchen, ganz einfach, weil man sie durch die Bezeichnung als Theorien ungewollt ernster nehmen würde, als sie es verdient haben.


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