Talking Angela und co: Chatbot Mythen auf YouTube


Sie sind weder neu noch sonderlich innovativ, aber dennoch kursieren in den letzten Wochen wieder etliche Gerüchte / Mythen über diverse Chatbot-Apps wie zum Beispiel „Talking Angela“, „Talking Tom“ und ähnliche, eigentlich bestenfalls eine lustige Spielerei, eben nicht viel mehr als ein Chatbot mit Bild und Ton – aber was macht sie, vor allem laut diverser YouTuber, nun plötzlich so gruselig bzw mysteriös?


Zunächst einmal, die erste Version von Talking Angela, die in diesem Zusammenhang am häufigsten genannte App, gibt es bereits seit 2012, sie ist also alles andere als neu, aber auch damals gab es schon kontroverse Berichte über die App. So wurde vermutet, dass es sich dabei nicht nur um einen reinen Chatbot handle, sondern dass die App von Pädophilen genutzt würde, um die Kinder, welche damit spielen, zu beobachten oder gar mit ihnen zu reden.

Und tatsächlich muss die App natürlich auch Zugriff auf das Mikrofon und die Kamera des Gerätes haben, schließlich ist das der Zweck der App, eine Comicfigur im Handy, mit der man reden kann (und die außerdem, wofür die Kamera benötigt wird, auch die Mimik der Benutzer imitieren bzw interpretieren soll). Genau wie zum Beispiel Alexa oder Google Home muss auch Talking Angela also immer zuhören so lange die App aktiv ist, und genau deswegen befürchteten damals einige Eltern ihre Kinder könnten damit ausspioniert und schlimmstenfalls gar Opfer von Pädophilen werden, welche den damaligen Gerüchten zufolge „am anderen Ende“ der App sitzen sollten.


Im Grunde war die App wahrscheinlich einfach „zu gut“ gemacht, die Chats mit den Figuren wirkten so echt, dass manche Eltern einfach nicht glauben konnten, dass das nur eine KI ist, mit der ihre Kinder sich da unterhalten, doch diese Eltern würden sich wahrscheinlich wundern wenn sie wüssten, wie oft sie selbst sich schon mit Chatbots unterhalten haben ohne etwas davon zu wissen, diese sind nämlich heutzutage tatsächlich so gut, dass sie von vielen Firmen zumindest in der „ersten Stufe“ im Online-Support genutzt werden, dabei unterhalten sich zunächst eben nur Bots mit den Kunden, sammeln dabei die wichtigsten Informationen und erst, wenn der Bot „nicht mehr weiter weiß“, übernimmt ein echter Support-Mitarbeiter.

Die Macher von Talking Angela wiesen die Vorwürfe damals jedenfalls natürlich entschieden zurück und der Programmierer soll scherzhaft, wenn auch zugegeben unpassend, darauf verwiesen haben, dass man gar nicht annähernd so viele Pädophile Chatter anstellen könnte wie die App Nutzer habe. Natürlich ist es verständlich, dass sich Eltern ggf Sorgen machen, wenn ihre Kinder mit einer App spielen, welche Zugriff auf Kamera und Mikrofon hat, doch diesen Zugriff benötigt so eine App wie gesagt schließlich auch, um ihren Zweck erfüllen zu können, genauso wie z.B. Alexa, welche vieler dieser Eltern mittlerweile bestimmt auch im Wohnzimmer stehen haben.

Nun war es nach dem Release von Talking Angela vor mittlerweile über 8 Jahren zunächst wieder relativ ruhig geworden um dieses Thema, von Zeit zu Zeit geisterte es zwar immer mal wieder vereinzelt durch die sozialen Medien, aber nun häufen sich bei YouTube in den letzten Tagen und Wochen wieder Videos, welche sich um diese und ähnliche Apps drehen, und zu den bereits bekannten Gerüchten kommen noch ein paar neue, teils recht merkwürdig anmutende Theorien hinzu.

So dreht sich zum Beispiel einer der neuen Mythen um die Augen der Comicfiguren, welche in diesen Apps verwendet werden, angeblich könne man nämlich, wenn man ganz genau hinsehe, durch diese Augen denjenigen sehen, von dem man am anderen Ende beobachtet wird, das kann nun wahlweise wieder ein Kinderschänder sein oder aber auch ein Hacker, ein Serienmörder oder andere Leute, die angeblich gegen Bezahlung Zugriff auf die Geräte der App-Nutzer bekommen haben sollen. Zwar heißt es dabei immer wieder, dass angeblich wirklich bereits Kinder über diese Apps ausspioniert wurden und danach gekidnapped, ermordet oder was auch immer worden seien, doch ist bis heute natürlich nicht ein einziger solcher Fall wirklich bekannt geworden.

Im Grunde spielt vielen Nutzern, die sich solche Videos angesehen, und danach selbst versucht haben in Talking Angelas Augen etwas zu erkennen, ihre eigene Fantasie einen Streich, denn wenn man gezielt nach so etwas sucht, wird man unter Umständen jeden kleinen Pixelfehler, jede Änderung von Helligkeit oder Farbe in den Augen, irgendwie als die Umrisse einer Person oder ähnliches erkennen, auch wenn da in Wirklichkeit gar nichts ist.

Letztlich sind diese Apps aber einfach nur sehr moderne Chatbots, wie es sie eigentlich schon viele länger gibt, alleine Talking Angela gibt es wie gesagt bereits seit 2012 und ich habe sogar selbst vor fast 20 Jahren schon so einen Chatbot benutzt, dieser hatte damals aber noch keine grafische Oberfläche, konnte weder auf Kamera noch Mikrofon zugreifen und war wirklich ein reiner Chatbot, man konnte also nur mit ihm schreiben.

Wer damals öfter im IRC unterwegs war wird bestimmt auch irgendwann mal auf so eine „Eliza“ (so der Name eines der ersten Chatbots) getroffen sein, welche sich etwas „merkwürdig“ verhalten hat 🙂 Das Prinzip ist aber heute wie damals das gleiche, nur dass die heutigen Chatbots einfach deutlich fortschrittlicher sind und man ihnen nicht mehr so einfach anmerkt, dass man sich da nicht mit einem echten Menschen unterhält.

Gefährlich sind solche Apps aber keineswegs, sie sind einfach das, was sie auf den ersten Blick auch zu sein scheinen, ein harmloses Spiel (übrigens auch, wenn man sie um 3 Uhr nachts benutzt, warum auch immer 3 Uhr das „neue Mitternacht“ zu sein scheint^^). Würde eine App tatsächlich über derartige „Hintertürchen“ verfügen wie diese Mythen besagen, so würden sie sicher nicht lange in den Appstores verweilen, bzw eher gar nicht erst dort landen.



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