Titan entfernt sich 100 mal schneller als gedacht vom Saturn


Dass sich ein Mond mit der Zeit langsam von seinem Planeten entfernt ist nichts ungewöhnliches, auch unser Mond bewegt sich langsam von uns weg, um genau zu sein mit 3,8 cm pro Jahr, verlassen wird er uns aber nicht so schnell, tatsächlich wird er es nicht schaffen zu „entkommen“ bevor die Sonne uns (und natürlich auch den Mond) in etwa 6 Milliarden Jahren zerstört – genauso sieht es beim Saturnmond Titan aus, nur, dass man bei diesem bisher annahm, dass er sich nur sehr langsam vom Saturn weg bewegt, zuletzt ging man von nur 0,1 cm pro Jahr aus, doch diese Einschätzung hat sich nun als völlig falsch herausgestellt, der Titan entfernt sich mit mehr als der 100-fachen Geschwindigkeit.


Der Titan gehört allgemein zu den interessantesten Monden in unserem Sonnensystem, er ist größer als der Merkur, hat eine dichte Atmosphäre und auf seiner Oberfläche entdeckte man Seen und Flüsse, auch wenn diese nicht wie auf der Erde aus Wasser, sondern aus Ethan und Methan bestehen, zudem vermutet man, dass sich unter seinem Eis möglicherweise ganze Ozeane flüssigen Wassers befinden könnten. Entsprechend ausgiebig wird der Titan auch von Astronomen untersucht, unter anderem mit Hilfe der Cassini-Sonde, welche von 2004 bis 2017 den Saturn umkreiste und dabei unter anderem auch den Huygens-Lander absetzte, welcher auf dem Titan landete um dessen Atmosphäre und Oberfläche zu untersuchen.

Nun benutzten 2 Teams aus Wissenschaftlern jeweils unterschiedliche Methoden auf Basis der, im Laufe von über 10 Jahren gesammelten, Cassini-Daten um die Geschwindigkeit, mit der sich Titan vom Saturn entfernt, neu zu ermitteln, sowohl das Team, welches Astrometrie nutze, als auch das Team, welches die Radiometrie dazu nutzte, kamen letztlich auf das nahezu identische Ergebnis: Titan entfernt sich mit einer Geschwindigkeit von 11 cm pro Jahr vom Saturn, also mehr als 100 mal schneller als bisher angenommen.

Daraus folgt auch, dass der Titan deutlich näher am Saturn entstanden sein muss als vermutet, bisher ging man davon aus, dass er fast in der gleichen Umlaufbahn entstanden sein müsse, wie der, auf der er sich heute befindet, in einer Entfernung von ca 1,2 Millionen Kilometern vom Saturn. In Anbetracht der neuen Daten muss man jedoch davon ausgehen, dass sich Titan zum Zeitpunkt seiner Entstehung vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entsprechend deutlich näher an dem Gasriesen befunden haben muss.


Einer der beteiligten Wissenschaftler, Jim Fuller, hatte schon 2016 vermutet, dass sich Titan aufgrund der als „resonance locking“ bezeichneten Gezeiten-Theorie deutlich schneller als erwartet vom Saturn entfernen müsste – was er hiermit wohl bewiesen haben dürfte.

Das entsprechende Paper wurde gestern bei Nature Astronomy veröffentlicht:
DOI: 10.1038/s41550-020-1120-5



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