JWST ist am Ziel – Doch warum sieht man noch keine Bilder?


Es hat ja eigentlich lange genug gedauert, sollte das JWST (James Webb Space Telescope), dessen Entwicklung sogar schon 1996 begonnen hatte, doch ursprünglich bereits im Jahr 2007 gestartet werden. Nachdem es sich nun aber am 25. Dezember 2021, also mit ganzen 14 Jahren Verspätung, endlich doch auf die Reise begab und am 26. Januar 2022 auch an seinem Ziel, dem Lagrange Punkt L2*, angekommen ist, warten natürlich viele gespannt auf die ersten Bilder.


Doch seit seiner Ankunft am L2 hat man nicht mehr viel vom JWST gehört, die NASA berichtete zwar am 03. Februar, dass das JWST ein erstes Photon (Lichtteilchen) registriert habe, aber bis das Teleskop seinen regulären Dienst antreten kann werden wir uns wohl noch gedulden müssen, denn das wird voraussichtlich bis Juni 2022 dauern, von da an ist das JWST aber dann auch bereits für viele Jahre im Voraus quasi „ausgebucht“.

Was dauert da so lange?

Nun, zum einen konnte man das Teleskop natürlich nicht in seiner vollen Größe ins All transportieren, daher hat man es sehr aufwändig „zusammengefaltet“ und das muss nun im Weltall natürlich noch wieder rückgängig gemacht werden, auch wenn das bereits während des Fluges gemacht wurde und man damit sogar 2 Tage vor der Ankunft am Zielpunkt fertig war, müssen die einzelnen Teile nun natürlich noch kalibriert werden, schließlich soll das JWST letztlich weiter ins All blicken können als jedes andere (optische) Teleskop vor ihm, und das heißt, dass jede Kleinigkeit stimmen muss, jeder der insgesamt 18 Teilspiegel muss perfekt ausgerichtet sein um am Ende ein klares Bild zu bekommen.

Des weiteren handelt es sich beim JWST um ein Infrarot-Teleskop, um störungsfrei arbeiten zu können benötigt es daher eine Betriebstemperatur von unter 50 Kelvin (-223°C), auf welche es erst einmal langsam aber sicher heruntergekühlt werden muss. Bis all diese Kalibrierungen sowie das Herunterkühlen abgeschlossen sind wird man sich also noch ein bisschen gedulden müssen, aber was sind schon 3-4 Monate gegen die 14 Jahre Verspätung, so lange sollte man es nun also auch noch aushalten können.

Man darf aber wohl davon ausgehen, dass schon während der Kalibrierung erste Testbilder geschossen und veröffentlicht werden, daher kann es also nicht schaden, die offizielle Webseite der NASA sowie deren Twitter-Feed im Auge zu behalten.

*Was hat es mit diesem „Lagrange Punkt“ auf sich?

Die sogenannten Lagrange Punkte, von denen es insgesamt 5 Stück gibt (bzw natürlich nur auf das Erde-Sonne System bezogen), wurden erstmals von Leonhard Euler und dem namensgebenden Joseph-Louis Lagrange berechnet und beschreiben Punkte, an denen ein Objekt (z.B. Satellit, oder eben ein Teleskop) platziert werden kann und das anschließend diese Position mit nur minimalen Kurskorrekturen halten kann, da dort ein relatives Kräftegleichgewicht zwischen der Gravitation von Sonne und Erde sowie der Zentrifugalkraft herrscht, welcher das betreffende Objekt auf seinem Orbit ausgesetzt ist.

Der hier wichtige Lagrange-Punkt L2 ist dabei der Punkt, zu dem man findet, wenn man eine Linie von der Sonne zur Erde zieht und diese dann noch um ca 1,5 Millionen Kilometer erweitert. Diesen Punkt hat man einerseits aus den offensichtlichen Gründen gewählt, also weil das JWST sich mit möglichst wenig Treibstoff möglichst lange an diesem Ort halten kann, als auch weil sich die empfindlichen Geräte (vor allem gegenüber Hitze) des Teleskops dort relativ weit von der Sonne entfernt im Erdschatten befinden und sich entsprechend leichter kühlen lassen.

Die folgende Grafik veranschaulicht wo sich die verschiedenen Lagrange-Punkte im Erde-Sonne Bezugssystem befinden:

Ausführlichere Informationen zu den Lagrange-Punkten findet ihr auf WikiPedia.



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