Das Fermi-Paradoxon (4): Zoo-Hypothese / Simulationsargument


Während die hier bisher behandelten (möglichen) Erklärungen für das Fermi-Paradoxon in der Regel noch ziemlich (wissenschaftlich) einleuchtend waren, zumindest unter bestimmten Voraussetzungen, wird es nun deutlich weniger „realitätsnah“, die folgenden Hypothesen wären zwar durchaus möglich (und können vor allem nicht widerlegt werden), aber für wie wahrscheinlich man sie hält muss jeder für sich selbst entscheiden.


Die Zoo-Hypothese

Die sogenannte „Zoo-Hypothese“ besagt, dass es zwar durchaus Außerirdische gibt und diese auch von uns wissen, nur dass sie nicht wollen, dass wir auch von ihnen wissen, wir werden also ähnlich wie Tiere in einem Zoo behandelt, man beobachtet und studiert uns also, aber man gibt sich selbst nicht zu erkennen.

Während das auf den ersten Blick erst einmal etwas „kurios“ anmuten mag, erscheint es aber schon gar nicht mehr so unwahrscheinlich, wenn man das z.B. einmal mit dem Star Trek Universum vergleicht. Denn offenbar hat sich schon Gene Roddenberry seinerzeit Gedanken über das Fermi-Paradoxon gemacht, und überlegt, wie er es in seinen erdachten Universum erklären könnte, und das hat er imho auch recht gut geschafft.

In Star Trek gibt es nämlich die, vielen sicherlich bekannte, sogenannte „Hauptdirektive“, quasi ein „oberstes Gesetz“, welches es verbietet, sich in die Belange anderer Kulturen einzumischen oder, was in diesem Zusammenhang noch viel wichtiger ist, auch nur mit ihnen Kontakt aufzunehmen, sollten sie noch nicht selbst eine Warp-Technologie (Überlichgeschwindigkeits-Antrieb) oder ähnliches entwickelt haben (bzw ggf kurz davor stehen).

Würde man nun nämlich annehmen, dass technologisch sehr fortschrittliche Außerirdische eine ähnliche Regel hätten, so könnte man damit nicht nur das Fermi Paradoxon erklären, sondern ggf auch noch einige andere Dinge wie UFO Sichtungen, angebliche Entführungen durch Außerirdische und ähnliches, auch in Star Trek gibt es ja immer wieder Fälle, wo sich nicht an die Hauptdirektive gehalten wird oder einfach nur Dinge schief gehen (vergessener Trikorder, Ausfall von Tarnvorrichtungen etc).

Das Simulationsargument – Alles Fake?

Das Simulationsargument besagt im Grunde einfach, dass wir selbst eigentlich gar nicht wirklich existieren, sondern wir alle, und unsere ganze Welt, nur eine sehr aufwändige Computersimulation sind. Dabei können wir aber aktuell natürlich weder beweisen, dass das so ist, noch es widerlegen, schließlich muss man davon ausgehen, dass so eine Simulation so gestaltet wäre, dass sie sich nicht selbst „aufdecken“ kann.

Hierbei wird sogar sozusagen „der Spieß umgedreht“, da man mit dem Simulationsargument nicht nur das Fermi Paradoxon erklären könnte, sondern auch umgekehrt aus diesem wieder darauf schließen, dass wir in einer Simulation leben. Dass wir noch keine Außerirdischen entdeckt haben wird im Simulationsargument nämlich damit erklärt, dass dafür einfach viel zu viel Rechenleistung nötig wäre, schließlich wäre es schon mehr als aufwändig genug nur unseren einen Planeten mit all seinen Menschen zu simulieren, dann auch noch, ggf mehrere, andere Zivilisationen zu simulieren, nur damit wir mit diesen Kontakt aufnehmen können, würde demnach die Kapazitäten der (hypothetischen) Simulation überschreiten.

Doch nicht nur mit dem Fermi Paradoxon und dem Fehlen von außerirdischer Intelligenz (bzw der Tatsache, dass wir zumindest noch keine Beweise dafür gefunden haben) wollen einige Menschen, darunter durchaus auch seriöse Wissenschaftler, die Existenz einer solchen Simulation begründen, denn auch in der „anderen Richtung“, also nicht den weiten des Weltalls, sondern vielmehr im kleinsten des Kleinen, nämlich der Quantenebene, könnte man Dinge, die wir bisher noch nicht vollständig verstehen, möglicherweise mit einer solchen Simulation erklären.

Genau wie bei der Simulation von vielen anderen Zivilisationen würde es nämlich zu viel Rechenleistung erfordern wirklich alles, was auf der Welt passiert, bis auf die kleinste Ebene immer im Voraus zu berechnen, weshalb man unter anderem die Unbestimmtheit in der Quantenmechanik damit zu erklären versucht, also die Tatsache, dass gewisse Dinge so lange unbestimmt bleiben, bis man sie tatsächlich misst, wird damit erklärt, dass die Simulation erst dann Rechenleistung dafür aufwändet, wenn es wirklich nötig wird.

Man kann das in gewisser Weise mit einem Computerspiel vergleichen, besonders Online-Games wie z.B. World of Warcraft verfügen teilweise über extrem große virtuelle Welten, diese immer komplett zu simulieren würde aber wohl die Leistung selbst der modernsten Gaming PCs weit überschreiten, weshalb dort immer nur das Gebiet berechnet wird, das der Spieler gerade sehen soll / benötigt. So soll das dann auch beim Simulationsargument aussehen, es wird nichts im voraus berechnet, was nicht sicher gebraucht wird, also z.B. eben Dinge wie der Spin eines Elektrons oder ähnliches, die nur ganz selten von einigen wenigen Wissenschaftlern gemessen werden, die werden von der Simulation erst „on the fly“ generiert.

Somit würde also nichts von dem, was wir zu kennen glauben, wirklich existieren, wir wüssten nicht einmal, ob die „wirkliche“ Welt auch nur Ähnlichkeit mit der unsrigen hat. Insofern einleuchtend ist diese Hypothese aber zumindest, dass wir selbst ja auch jetzt schon versuchen alles mögliche zu simulieren, bis hin zur Entstehung des Universums, nur dass uns für eine derartige Simulation selbst mit allen Rechnern der Welt nicht annähernd genügend Rechenleistung zur Verfügung stünde, doch das kann sich mit der fortschreitenden Entwicklung von Quantencomputern unter Umständen ja schon bald ändern.

Das Simulationsargument, wurde in seiner heutigen Form übrigens von dem Philosophen Nick Bostrom in einer Abhandlung von 2004 erdacht, hat seine Wurzeln jedoch schon in Überlegungen zur Quantenmechanik vom Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde auch schon in Filmen wie der Matrix Trilogie oder Source Code behandelt.



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