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Die Turiner Skala – Ab wann müssen wir Angst haben?

eine Comic-Grafik, die zeigt, wie ein Asteroid kurz davor ist auf der Erde einzuschlagen

Immer wieder, wenn ein Asteroid der Erde nahe kommt, machen Weltuntergangsszenarien die Runde, auch wenn eigentlich keine reale Gefahr für uns besteht. Wie gefährlich ein Asteroid wirklich ist, das wird an der sogenannten „Turiner Skala“ festgemacht, mit ihr misst man, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags auf der Erde ist.


Was ist die Turiner Skala?

Die Turiner Skala soll, wie schon gesagt, die Gefährlichkeit eines Asteroiden (bzw „erdnahen Objekts“, sie schließt also streng genommen auch Kometen ein, doch da ist dieser Wert deutlich schwieriger zu ermitteln) anhand eines eindeutigen Wertes angeben. Erstmals vorgestellt wurde die Turiner Skala 1995 auf einer UN-Konferenz, damals noch unter der Bezeichnung „Near-Earth Object Hazard Index“, von Richard P. Binzel vom MIT.

Einige Jahre später, 1999, wurde sie, in einer überarbeiteten Fassung, auf der „IMPACT“ (International Monitoring Programs for Asteroid and Comet Threat) in Turin vorgestellt, woher sie schließlich auch ihren Namen bekam. Nach einem Fehlalarm im Jahr 2003 wurde sie noch einmal überarbeitet und ihre Formulierung angepasst um nicht so schnell unnötig Panik auszulösen.

Ab wann muss man Angst haben?

Einen genauen Wert dafür gibt es zwar nicht, aber man kann in der Regel sagen, dass alles unterhalb von 5 (und selbst Apophis hatte, bevor er nach neuen Berechnungen auf 0 zurückgestuft wurde, „nur“ einen Wert von 4) keine nennenswerte Gefahr besteht, ein Einschlag ist dann zwar durchaus möglich, aber liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Selbst der Asteroid 2024 YR4, über den man in letzter Zeit, vor allem bei YouTube, viele Videos finden konnte, die schon an Panikmache grenzten, hat aktuell nur einen Wert von 3 auf der Turiner Skala, und seine Einschlagswahrscheinlichkeit (am 22. Dezember 2032) wird derzeit mit nur 1,2% angegeben, oder anders herum: man geht davon aus, dass er mit 98,8% Wahrscheinlichkeit an uns vorbei fliegt. Dieser Wert wird in der Zukunft natürlich immer wieder angepasst werden, wenn neue, genauere Berechnungen des Kurses von 2024 YR4 vorliegen. So lange er aber unter 5 bleibt besteht definitiv kein Grund zur Panik.

Selbst bei einem Wert zwischen 5 und 7 ist ein Einschlag noch lange nicht sicher, nur ist die Wahrscheinlichkeit dann bereits so groß, dass durchaus Anlass zur Sorge besteht und ggf sogar eine staatliche Notfallplanung empfohlen wird. Die Werte zwischen 8 und 10 stehen dann bereits für einen sicheren Einschlag, wobei die Höhe nur noch für den Grad der zu erwartenden Verwüstung steht.

Im Grunde kann man das vereinfacht so darstellen:

WertGefahrenstufe
0keine Gefahr
1sehr geringe Einschlagswahrscheinlichkeit, kein Grund zur Sorge
2-4geringe Einschlagswahrscheinlichkeit, aber Astronomen sollten das Objekt weiter Beobachten, kein Grund zur Sorge
5-7schon relativ hohe Einschlagswahrscheinlichkeit, hier werden ggf stattliche Stellen darüber informieren, wo welche Gefahr besteht. Ggf globale Verwüstung möglich (ab 6).
8-10sicherer Einschlag, je höher der Wert, desto größer das Objekt bzw die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag in bewohntem Gebiet.

Fazit

Letztlich gab es seit der Einführung der Turiner Skala noch keinen wirklich Besorgnis erregenden Wert, der höchste bisherige Wert war 4, und dabei handelte es sich um Apophis, der nach neuen Berechnungen mittlerweile auf 0 heruntergestuft wurde. Selbst bei einem Wert über 4 besteht also noch lange kein Grund zur Panik, man sollte erst einmal weitere Beobachtungen abwarten, die erste Einstufung basiert nämlich oft auf noch eher ungenauen Werten, sollte wirklich eine Gefahr bestehen, werden wir schon rechtzeitig darüber informiert werden (und damit meine ich nicht YouTube!).


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