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Wer entdeckte Amerika wirklich?


Wenn man heutzutage jemanden fragt, wer Amerika entdeckt hat, werden die meisten wohl glauben die Antwort zu kennen, doch damit lägen sie ziemlich sicher falsch, denn tatsächlich ist die Antwort nicht annähernd so einfach, wie man vielleicht denkt…


Das war doch Kolumbus?

Fangen wir mal mit dem ersten Kandidaten an, den wahrscheinlich die meisten nennen würden: Christoph Kolumbus.

Dieser versuchte in mehreren Entdeckungsreisen von 1492 bis 1504 den Seeweg nach Indien zu finden, dabei landete er sogar erst bei seiner vierten Reise erstmals auf amerikanischem Festland, doch dass er damit einen (aus der Sicht Europas) neuen Kontinent „entdeckt“ hatte, sollte Kolumbus tatsächlich nie erfahren, er glaubte Zeit seines Lebens er habe wirklich den von ihm gesuchten Seeweg nach Indien gefunden. Deshalb werden ja auch selbst heute noch die Ureinwohner Amerikas von vielen (fälschlicherweise) als „Indianer“ bezeichnet.

Doch selbst wenn er gewusst hätte wo er da gelandet ist, als den „Entdecker“ Amerikas könnte man ihn sicher nicht bezeichnen, bestenfalls als den „Wiederentdecker“ und selbst das nur aus europäischer Sicht.

Ok, dann eben dieser Wikinger…

Der nächste Kandidat wären dann wohl die Wikinger, namentlich wird hier in der Regel auf Leif Eriksson verwiesen, welche das amerikanische Festland, wenn auch deutlich weiter im Norden, bereits einige Jahrhunderte zuvor erreichten.

Ob es nun wirklich Eriksson war oder ein anderer Wikinger lässt sich heute (bisher) nicht mehr genau sagen, als gesichert gilt allerdings, dass die Wikinger um das Jahr 1.000 u.Z. erstmals in Amerika an Land gingen, aus dieser Zeit stammen nämlich die Überreste einer Wikingersiedlung, die man bereits in den 60er Jahren bei L’Anse aux Meadows auf der kanadischen Insel Neufundland entdeckte.

Weitere Kandidaten?

Diese beiden kann man wohl aktuell zumindest als die ersten namentlich bekannten Entdecker bezeichnen, welche gesichert Fuß auf amerikanisches Festland setzten. Des weiteren gibt es aber noch einige weitere, allerdings weniger gesicherte, Hinweise, die dafür sprechen, dass Amerika einigen Menschen zumindest schon (ggf deutlich) vor Kolumbus bekannt war, ich werde hier aber nur auf einige der imho „interessanteren“ davon eingehen:

Schon die Karte von Piri Reis zeigt Südamerika!

Der türkische Admiral Piri Reis soll im Jahr 1513 eine Karte erstellt haben, von welcher er selbst sagte er habe sie nicht persönlich gezeichnet, sondern vielmehr aus vielen (mindestens 20), teils deutlich älteren, anderen Karten zusammengestellt, in deren Besitz er gekommen sei. Genaueres über die Herkunft dieser Karten ist allerdings nicht bekannt.

Den meisten wird die Karte des Piri Reis aber auch aus einem anderen Grund ein Begriff sein, so zeigt diese Karte doch unter anderem ziemlich genau die Küstenlinien der Antarktis, welche offiziell erst im frühen 19. Jahrhundert (1820) überhaupt entdeckt wurde. Während der Teil, welcher die Antarktis zu zeigen scheint, oftmals als „reine Fantasie“ und „zufällige Übereinstimmungen“ dargestellt wird, ist man sich mit den Küstenlinien Südamerikas aber in der Regel sicher, dass diese sehr genau den tatsächlichen entsprechen.

Aufgrund des Alters der Karte (1513) könnten diese Informationen aber natürlich durchaus schon von Kolumbus, Vespucci und Caboto stammen, welche damals ja definitiv schon dort waren.

Tabak und Kokain an ägyptischen Mumien?

Während viele andere Hinweise sich eher auf eine mögliche Entdeckung kurz vor Kolumbus und co beziehen, würde folgende Hypothese darauf hindeuten, dass die erste Atlantiküberquerung schon sehr viel früher stattgefunden haben müsste, nämlich zur Zeit der alten Ägypter oder noch früher.

So haben Forscher nämlich in über 4.000 Jahre alten ägyptischen Mumien Rückstände von Kokain und Tabak gefunden, die Koka-Pflanze ist aber, genau wie die Tabakpflanze, in Südamerika, um genau zu sein vornehmlich in den Andenstaaten Kolumbien, Peru und Bolivien, heimisch und dürfte den alten Ägyptern daher noch lange nicht bekannt gewesen sein.

Daher wird der Fund dieser Substanz im Haar einer Mumie (bzw die Tabakreste in deren Bandagen) oftmals auf unsauber arbeitende Archäologen zur Zeit der Entdeckung dieser Mumien zurückgeführt, andere jedoch sehen das vielmehr als Beweis dafür, dass die alten Ägypter schon lange vor Kolumbus und auch Eriksson fähig waren den Atlantik zu überqueren und ggf mit den Menschen in Südamerika Handel zu treiben.

Inwiefern das wirklich möglich wäre gilt allerdings als äußerst umstritten, konnten doch bisher, abgesehen von diesen winzigen Rückständen, keinerlei Beweise für eine derart frühe Atlantiküberquerung gefunden werden.

Der deutsche Experimentalarchäologe Dominique Görlitz versuchte allerdings bereits mehrfach zu beweisen, dass es auch schon mit den Mitteln der alten Ägypter möglich gewesen sei, den Atlantik von Westen nach Osten zu überqueren (dass es in die andere Richtung möglich ist hatte Thor Heyerdahl schon 1970 nachgewiesen, doch für erfolgreiche Handelsbeziehungen muss man ja auch wieder zurück kommen, was aufgrund der Strömungsverhältnisse im Atlantik als deutlich schwieriger gilt), zwar konnte er bis heute nicht die komplette Strecke in seinem selbstgebauten Schilfboot namens „Abora“ überwinden, ist aber weiterhin davon überzeugt, dass es schon damals möglich gewesen sein muss.

Mehr über die Fahrten der Abora erfahrt ihr z.B. in diversen Dokumentationen und Berichten auf YouTube.

Demnach gilt es also als erwiesen, dass man zwar schon mit sehr altertümlichen Mitteln den Atlantik von Europa / Afrika in Richtung Amerika überqueren konnte, jedoch nicht, dass es diesen Seefahrern dann auch möglich gewesen wäre, zurück zu kommen und jemandem von ihrer Entdeckung zu berichten.

Amerika = Atlantis?

Ja, auch diese, zugegeben etwas weit hergeholte, These vertreten einige „Forscher“.

Begründet wird das in der Regel unter anderem damit, dass einerseits Aristoteles oder auch Diodorus angaben, die Phönizier hätten „jenseits der Säulen des Herakles“ (Gibraltar) eine „größere Landmasse“ entdeckt, was zu der Vermutung führte damit sei Amerika gemeint gewesen und die alten Phönizier wären damit als die ersten Entdecker Amerikas zu sehen.

Andererseits hatte aber auch Platon sein mythisches Inselreich Atlantis quasi an der „gleichen Stelle“ (jenseits der Säulen des Herakles) angesiedelt, was bedeuten könnte, dass dahinter auch hier der amerikanische Kontinent stecken könnte.

Abgesehen davon, dass heutzutage die meisten Historiker davon ausgehen, dass Atlantis eine reine Erfindung seitens Platon war, wurden aber auch bis heute noch keinerlei Beweise dafür gefunden, dass die Phönizier jemals in Amerika an Land gegangen sein könnten.

Und wer war nun wirklich zuerst da?

Man kann wohl recht sicher davon ausgehen, dass sowohl im heutigen Nord- als auch Südamerika schon deutlich früher Menschen lebten, deren Vorfahren müsste man also genau genommen als die eigentlichen Entdecker des amerikanischen Kontinents bezeichnen, woher eben diese aber ursprünglich kamen gilt als umstritten.

So könnten zum Beispiel auch über den Pazifik, vermutlich mit den Osterinseln als „Zwischenstation“, erstmals Menschen nach Südamerika gelangt sein, andererseits könnte die erste Besiedelung des amerikanischen Kontinents auch von Norden her geschehen sein, möglicherweise bereits vor über 10.000 Jahren über die, damals komplett zugefrorene, Beringstraße. Beweise für das eine oder das andere konnten bisher allerdings nicht gefunden werden, weshalb man bis heute tatsächlich nicht sagen kann, wer denn nun wirklich Amerika entdeckt hat.

Letztlich kann man zu dieser Frage also wohl nur ein paar Dinge sicher sagen:
  1. Leiff Eriksson war wohl der erste namentlich bekannte Europäer, welcher mit großer Wahrscheinlichkeit Amerika erreichte (ziemlich sicher aber wohl einer seiner Landsleute).
  2. Kolumbus war der erste, der auch wieder zurück kam um davon zu berichten (auch wenn er es, wie gesagt, nie erfahren sollte).
  3. Es ist möglich, dass schon lange vor den beiden die Ägypter, Phönizier oder wer auch immer den Atlantik in Richtung Amerika überquerten, dass sie es je zurück schafften gilt jedoch als unwahrscheinlich.
  4. Die wirklich ersten Entdecker Amerikas waren die Unbekannten, die vor sehr langer Zeit als erste Menschen, vielleicht über den Atlantik, vielleicht über den Pazifik oder auch zu Fuß über die zugefrorene Beringstraße diesen Kontinent betraten und von denen die dortigen Ureinwohner heute noch abstammen.

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