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Allmächtig, allwissend und gütig? Gibt es einen Anti-Gottesbeweis?

Gottesbeweis vs Anti-Gottesbeweis. KI-generiert.

Es gibt historisch viele verschiedene sogenannte „Gottesbeweise“, von der Antike bis Heute, dabei handelt es sich aber natürlich nicht um echte Beweise, sondern vielmehr um philosophische „Beweise“, welche aber in der Regel alle das gleiche Problem haben – sie beziehen sich immer wieder auf, wiederum unbewiesene, Grundannahmen. Die Bezeichnung als „Beweis“ ist also irreführend, es sind tatsächlich maximal Hypothesen.


Aber dass im Internet ziemlich inflationär mit dem Wort „Beweis“ umgegangen wird, ist ja nichts Neues. Quasi täglich liest man etliche Titel, sei es von Artikeln, YouTube-Videos oder was auch immer, in der Art von „Beweis für XYZ gefunden“ – und dann basiert das bestenfalls auf Aussagen von Menschen und schon House wusste schließlich: Menschen lügen! Gerade, wenn sie glauben, dass es ihnen irgendeinen Vorteil bringt, in dem Fall einfach Klicks.

Klassische „Gottesbeweise“

(Hinweis: Texte in kursiv (außer Zitate) sind meine persönliche Meinung)

Aber fangen wir erst einmal mit ein paar Beispielen für sogenannte „Gottesbeweise“ an, bevor wir zum Gegenteil kommen.

1. Der ontologische Gottesbeweis

Vor allem verbunden mit Anselm von Canterbury, später weiterentwickelt von René Descartes.

Die Grundidee ist, dass man Gott definiert als:

„Das größte denkbare Wesen.“

Nun heißt es: Wenn Gott nur im Denken existieren würde, könnte man sich etwas Größeres vorstellen — nämlich ein Wesen, das auch real existiert. Also müsse Gott real existieren.

Sehr vereinfacht:

Gott = vollkommenstes denkbares Wesen.
Existenz ist eine Vollkommenheit.
=> Daher muss Gott existieren.

Das ist natürlich Schwachsinn vom Feinsten, man definiert etwas nach eigenem Gusto und meint dann, es auf dieser Basis beweisen zu können. Und das soll von „großen Philosophen“ stammen… Dabei sieht man doch auf den ersten Blick, dass das unlogisch ist, man kann nichts beweisen, wenn nicht alle Annahmen, auf denen der Beweis basieren soll, selbst bereits bewiesen sind.

Doch das haben natürlich auch früher schon andere erkannt, so zum Beispiel Immanuel Kant, welcher daran kritisierte, dass „Existenz keine Eigenschaft sei“, und man daher „Existenz“ nicht aus einer Definition ableiten könne.

„Die Vorstellung oder der Begriff von 100 Reichstsalern bedeutet noch nicht, dass man diese 100 Reichstaler auch wirklich in den Händen hält.“

Der Mönch Gaunilo von Marmoutiers brachte die „perfekte Insel“-Kritik, denn wenn man so argumentiere, dann könne man sich auch einfach „die perfekteste Insel“ erdenken und daraus ihre Existenz ableiten.

2. Der kosmologische Gottesbeweis

Der sogenannte „kosmologische Gottesbeweis“ geht unter anderem auf Thomas von Aquin und teilweise Aristoteles zurück, dabei darf man das natürlich nicht mit dem verwechseln, was wir heute unter „Kosmologie“ verstehen, denn das ist eine Wissenschaft, keine Philosophie.

Die Grundidee ist hier, dass alles, was existiert, eine Ursache habe, eine unendliche Kette von Ursachen sei unmöglich oder unzureichend. Daher müsse es eine „erste Ursache“ geben, die „unbewegt, unverursacht und notwendig“ sei, diese Ursache bezeichnet man dann als „Gott“. Es gibt dabei diverse Varianten dieses „Beweises“, welche sich aber alle um eine Art „Erstbeweger“ oder „erste Ursache“ drehen.

Grundsätzlich klingt das erst einmal natürlich fast schon wissenschaftlich, denn das Prinzip von Ursache und Wirkung gehört schließlich zu den grundlegendsten der Physik.

Allerdings kennt man heute auch schon das Gegenteil, in der Quantenmechanik kann die Wirkung durchaus der Ursache vorausgehen oder auch gleichzeitig passieren, allein das widerlegt das Ganze eigentlich schon.

Abgesehen davon ist es eine ziemlich „beliebige“ Annahme, dass die „erste Ursache“ ein „Gott“ sein müsse, aus heutiger Sicht wäre da z.B. eine Quantenfluktuation, oder schlichtweg der Urknall (eben die Ursache, die kein „davor“ hat, auch wenn das bzgl des Urknalls durchaus Ansichtssache ist), viel passender.

Auch hier gab es natürlich schon früher deutliche Kritik, vor allem die Frage, was denn dann die Ursache für „Gott“ gewesen sei, worauf Theisten dann in der Regel einfach mit „Gott braucht keine Ursache“ antworten (als wenn sie einfach entscheiden dürften, was eine Ursache braucht, und was nicht).

Das ist allerdings wieder so eine Definition, die man sich einfach selbst so erdacht hat, ohne sie beweisen zu können, nur weil es einem gerade in den Kram passt.

Quasi wie bei Pippi Langstrumpf – „Ich mach‘ mir die Welt, widde-widde, wie sie mir gefällt“.

3. Der teleologische Gottesbeweis

Dieser „Gottesbeweis“ wurde bekannt durch William Paley und ist im Grunde die Basis der sogenannten „intelligent Design“ Hypothese. Man sieht, wie komplex und hochgeordnet unsere Welt ist, und schließt daraus einfach, dass es da einen „intelligenten Designer“ geben müsse, welcher da Ordnung hereinbringt.

Das entsprechende Beispiel von Paley sieht dann so aus:

Wenn man eine Uhr findet, schließt man auf einen Uhrmacher.
Also muss das Universum einen intelligenten Schöpfer haben.

Und da sind wir im Grunde schon wieder bei Pippi Langstrumpf…

Man denkt sich einfach eine eigene „Logik“ aus und schließt daraus, es müsse einen „Gott“ geben, der dafür verantwortlich ist, nur weil man es sich selbst nicht anders vorstellen kann.

Widerlegt wurde diese Hypothese aber im Grunde spätestens durch Charles Darwin, dessen Evolutionstheorie aufzeigt, wie es ganz natürlich, ohne einen „intelligenten Schöpfer“, eben doch funktioniert.

Dazu kommt natürlich ein Punkt, auf den wir später noch näher eingehen werden: Wenn es einen doch ach so „perfekten Schöpfer“ gibt, wieso schuf der dann Krankheiten, Naturkatastrophen und andere schlimme Dinge? Ist das etwa in Wirklichkeit ein „bösartiger Gott“?

4. Der moralische Gottesbeweis

(Unter anderem bei Immanuel Kant)

Hier geht man vor allem von einer Voraussetzung aus: Objektive Moral existiert.
Dann heißt es weiter, objektive moralische Werte bräuchten einen absoluten Ursprung.
Daraus schließt man: Moral braucht Gott.

Es ist also eigentlich immer wieder das gleiche, man schafft sich die (unbewiesenen) Voraussetzungen um das zu beweisen, was man gerne wahr haben will. Es hat aber wieder einmal nichts mit einem echten Beweis zu tun, nur ein wildes „ich postuliere X. Außerdem postuliere ich, dass Y die Voraussetzung für X sei und deshalb Z existieren müsse“.

„Hey Pippi…“ – äh, lassen wir das.

Es gab allerdings auch vor langer Zeit schon Menschen, die erkannt haben, dass man so nicht argumentieren kann, zumindest nicht „vernünftig“ (der kleine Seitenhieb musste sein^^).

So findet sich zum Beispiel bereits bei Platon das sogenannte „Euthyphron-Dilemma“:

Ist etwas gut, weil Gott es befiehlt?
Oder befiehlt Gott es, weil es gut ist?

Beide Möglichkeiten erzeugen Probleme:

Entweder: Moral wirkt willkürlich
Oder: Moral existiert unabhängig von Gott

5. Weitere Beweisversuche

Es gibt natürlich noch mehr Versuche die Existenz eines Gottes zu beweisen, jedoch endet es im Grunde bei fast allen wieder dabei, dass man von Annahmen ausgeht, die man sich selbst als „wahr“ definiert, obwohl sie eben nicht bewiesen sind.

Oder man sagt einfach „es glauben so viele Menschen an Götter und erzählen von „Gotteserfahrungen, so viele Menschen können doch nicht irren“.

Doch, können sie.

Religion ist quasi „vererbt“, sie verbreitet sich immer weiter, weil Kinder bis zu einem gewissen Alter nicht hinterfragen, was sie von ihren Eltern gesagt bekommen. Das ist evolutionär sogar sehr sinnvoll, wenn die Mutter dem Kind sagt „fass‘ nicht auf die heisse Herdplatte, du tust dir weh“, dann soll das Kind das ja gar nicht hinterfragen und lieber seine eigenen Erfahrungen machen (und es ausprobieren), aber das funktioniert eben leider genauso, wenn Eltern ihren Kindern von ihrem „imaginären Freund“ erzählen.

Es gibt für alles rationale Erklärungen, ausnahmslos, seien es „Gotteserfahrungen“, „erhörte Gebete“, Nahtoderfahrungen oder was auch immer, bisher gibt es nichts, was man nicht ohne Götter erklären könnte.

Hier einfach mal ein paar Beispiele, wie man religiöse Erfahrungen rational erklären kann, und zwar ganz ohne irgendetwas übernatürliches:

Der Anti-Gottesbeweis?

Aber kommen wir nun endlich zum eigentlichen Thema (die „Einführung“ ist irgendwie länger ausgefallen als geplant, aber was soll’s), denn interessanterweise ist ein „Anti-Gottesbeweis“, zugegeben ebenfalls ein vorwiegend philosophischer, viel plausibler möglich, als alle angeblichen „Gottesbeweise“ zusammen.

Im Grunde reichen da nämlich schon 2 bekannte Paradoxa:

Das Allmachtsparadoxon

In der Regel beschreiben Religionen ihren jeweiligen Gott als „allmächtig“ (auf jeden Fall die monotheistischen, speziell die abrahamitischen), aber ist so etwas überhaupt möglich?

Schon eine einfache Frage beweist, dass „Allmacht“ grundsätzlich unmöglich ist, es also auch keinen „allmächtigen Gott“ geben kann:

Kann „Gott“ einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht heben kann?

Das stammt natürlich aus einer Zeit, wo man noch nichts von Gravitation etc wusste, aber das Prinzip dahinter ist ja immer noch schlüssig:

Er kann es? Dann kann er nicht allmächtig sein, denn so jemand müsste jeden Stein heben können.
Er kann es nicht? Dann ist er offensichtlich auch nicht allmächtig.

Einfacher geht es also kaum.

Allmächtig, allwissend und gütig?

Das sind die 3 Eigenschaften, mit denen die großen, monotheistischen Religionen ihre jeweiligen Götter beschreiben. Aber wie sollen diese denn überhaupt zusammen passen? (Hierbei müsste man natürlich zunächst davon ausgehen, dass Allmacht überhaupt erst möglich wäre.)

Kurz:
Ist ein Gott allmächtig und allwissend, so kann er nicht gütig sein. Der Beweis: Unsere Welt!

Länger:
– Wäre ein Gott allwissend, so wüsste er von dem Leid auf unserer Welt, wäre er außerdem allmächtig und gütig, so hätte er das verhindert.
– Wäre er allwissend und allmächtig, könnte er also gar nicht gütig sein, er wäre vielmehr sogar bösartig, mindestens aber gleichgültig.
– Wäre er allwissend und gütig, so könnte er nicht allmächtig sein, da er es sonst verhindert hätte / anders gemacht hätte.
– Wäre er allmächtig und gütig, so könnte er nicht allwissend sein, da das Wissen (plus Nichtstun) wiederum das gütig ausschließen würde.

Diesen „Anti-Gottesbeweis“ kennt man auch als das „Problem des Bösen“

Kurz zusammengefasst geht es also einfach darum:

Wenn es einen Gott gäbe, woher käme dann das Leid auf dieser Welt?

Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen, es erklärt sich von selbst (Natürlich, wieder einmal, nicht für Theisten, die erfinden sich wie immer ihre eigene „Logik“, die alles so erklärt, dass es ihnen in den Kram passt…).

Weitere Gegenargumente

Eigentlich sollten allein die beiden obigen Paradoxa jedem vernünftigen Menschen ausreichen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen, dass das nicht der Fall ist erkennt man aber an der schlichten Zahl der Anhänger von Religionen. Sie werden zwar weniger, vor allem in der westlichen Welt, bzw allgemein in Ländern, in denen die Menschen ausreichenden Zugang zu Bildung haben, wobei es ja selbst hierzulande grenzwertig ist („Religionsunterricht“ sollte nicht die Indoktrination unterstützen, sondern über Religionen lehren – und natürlich nicht optional sein).

Doch das Allmachtsparadoxon und das Problem des Bösen sind natürlich nicht die einzigen guten Argumente gegen die Existenz von Göttern, um genau zu sein geht es bei diesen beiden ja um ganz spezielle Formen von Göttern, bzw solche, die ganz spezifische Eigenschaften haben : Allmächtig / Allwissend / Gütig.

Es „gibt“ jedoch natürlich nicht nur den abrahamitischen Gott, sondern auch viele andere, manche Religionen haben einzelne Götter für alles mögliche (siehe z.B. alte Griechen oder Hinduismus), und diese werden dann in der Regel nicht als allmächtig und oft auch nicht als gütig beschrieben.

Aber auch gegen diese gibt es plausible Argumente, die gegen die Möglichkeit ihrer Existenz sprechen:

1. Allwissenheit vs Freier Wille

Wenn es um das Problem des Bösen geht, so argumentieren Theisten gerne mit dem freien Willen und dass Gott nicht eingreifen wolle weil er den Menschen einen freien Willen gegeben habe.

Doch hier tut sich wieder ein Paradoxon auf:

Wenn Gott allwissend ist, kennt er bereits jede zukünftige Entscheidung.

Dann scheint echter freier Wille unmöglich.

Denn:
Wenn Gott schon gestern wusste, dass du morgen X tust, kannst du morgen offenbar nicht anders handeln.

Das wiederum bedeutet:
Entweder ist Gott nicht allwissend oder der Mensch hat keinen freien Willen.

2. Das Problem der göttlichen Verborgenheit

Ganz einfach:
Wenn Götter doch existieren und ach so mächtig sind, warum hat sie noch nie jemand (nachweislich) gesehen?

Theisten kommen dann meist mit etwas wie „die Verborgenheit ist nur eine Prüfung des Glaubens“ oder ähnlichem, wobei das nicht unbedingt logisch ist, denn wenn ich möchte, dass jemand an mich glaubt, dann beweise ich ihm einfach, dass ich existiere – fertig. Aber irgendeine Ausrede gibt es ja immer…

3. Ockhams Rasiermesser

Nicht nur in diesem Zusammenhang äußerst sinnvol imho, zurückgehend auf Wilhelm von Ockham, die Grundidee, nie unnötige Entitäten anzunehmen, wenn es zur Erklärung einer Begebenheit nicht unbedingt nötig ist. Insbesondere in Zusammenhang mit unserem wissenschaftlichen Fortschritt.

Zum Beispiel wurden früher gern Götter für alles verantwortlich gemacht, was die Menschen (noch) nicht verstanden, zum Beispiel Blitz und Donner (Thor), heute wissen wir dagegen recht genau was da passiert und warum es blitzt und donnert, wir benötigen diese Entität also nicht mehr.

Letzlich bedeutet das im Grunde, dass man möglichst immer die einfachste plausible Erklärung für etwas als die richtige annehmen soll, so wären zum Beispiel Reflexionen oder Halluzinationen viel einfachere (und damit bessere) Erklärungen für „Geistersichtungen“ (um genau zu sein, so lange es keine echten Beweise gibt, ist auch die Annahme, dass jemand lügt, aus welchem Grund auch immer, in jedem Fall eine bessere Erklärung, als „Geister“ als real anzunehmen, aber zu dem Thema kommt demnächst noch ein eigener Artikel).

4. Widersprüche verschiedener Religionen

Religionen widersprechen sich massiv:

Monotheismus
Polytheismus
Trinität
Reinkarnation
ewige Hölle
kein persönlicher Gott
verschiedene „heilige Schriften“

Fast jede Religion behauptet in der Regel, dass ihr Gott der einzig wahre / echte sei, genau wie ihre Religion die einzig wahre sei. Das kann aber nicht auf jede der vielen tausend Religionen zutreffen.

Welche hat also Recht?

An der Zahl der Anhänger kann man das nicht festmachen, denn Religionen sind schließlich „vererbt“, es ist also klar, dass sich manche stärker verbreiten als andere, ohne, dass das Rückschlüsse darauf zulässt, wie „wahr“ sie ist.

Und wenn man nach dem Alter ginge, naja, die älteste bekannte Gottheit ist die „Venus von Willendorf“, die auf ein Alter von etwa 25.000 – 30.000 Jahren geschätzt wird, die schlägt also z.B. den abrahamitischen Gott um längen.

Die logischste Schlussfolgerung ist hier doch ganz klar: Gar keine hat Recht!

5. Wissenschaft!

Eigentlich eines der besten Argumente gegen Götter, wir wissen Heute unglaublich viel darüber, woraus unsere Welt besteht und wie sie entstanden ist. Und im Gegensatz zu Religionen sind diese Dinge weitgehend klar bewiesen, sie basieren nicht nur auf irgendwelche Schriften, die irgendwelceh Menschen vor tausenden von Jahren mal dahingekritzelt haben, da ist „Trust me Bro“ ja noch ein besseres Argument als dieses „das ist so, weils in der Bibel steht“, das man von Theisten gern zu hören bekommt.

Wir wissen ziemlich sicher, wie das Universum entstanden ist, wir können das bis auf wenige Sekundenbruchteile nach dem Urknall zurückrechnen. Auch wenn die Urknalltheorie noch lange nicht als bewiesen angesehen werden kann, im Vergleich zu einem unsichtbaren Zauberwesen, das Quasi „mit den Fingern schnippst“ und dann ist die Erde da (die btw, und das ist erwiesen, nicht der Mittelpunkt des Universums ist^^), ist diese aber deutlich besser belegt.

Alles, wozu Menschen früher etwas Übernatürliches als Erklärung „brauchten“, können wir heute besser und völlig ohne jegliches Übernatürliche erklären.

6. Beweislast (Beispiel: Russells Teekanne)

Man kann nicht beweisen, dass etwas nicht existiert, also liegt die Beweislast eindeutig bei dem, der behauptet, dass etwas existiert.

Hierfür ist „Russells Teekanne“ geradezu das Paradebeispiel:

Jemand behauptet, zwischen Erde und Mars kreise irgendwo eine Teekanne, die so klein ist, dass sie auch mit dem besten Teleskop nicht gesehen werden kann.

Nur, weil man unmöglich das Gegenteil beweisen kann (irgendeine Bahn zwischen Erde und Mars ist schon ein unvorstellbar großes Gebiet, jeden Ort darin zu untersuchen ist unmöglich), heißt das noch lange nicht, dass man ihm das glauben muss. Im Gegenteil ist derjenige in der Beweispflicht, der diese Behauptung aufstellt. Das gleiche gilt natürlich nicht nur für eine Teekanne im Weltall, sondern auch für Götter, Geister und ähnliches, dessen Nicht-Existenz man logischerweise auch nicht beweisen kann.

Beweist das, dass es keinen Gott gibt?

Nein, natürlich nicht, die nicht-Existenz von irgendetwas lässt sich nie beweisen, die Existenz aber sehr wohl, daher ist in so einem Fall immer derjenige in der Beweispflicht, der die Existenz von etwas postuliert, sei es nun ein Gott oder z.B. irgendein Elementarteilchen, das spielt dabei keine Rolle.

Was man aber sehr wohl beweisen kann, das ist, dass es einen Gott mit spezifischen Eigenschaften nicht geben kann.

Ein Gott, so wie er in vielen Religionen beschrieben wird, kann nämlich gar nicht existieren, man kann zwar nicht beweisen, dass es gar keinen Gott gibt, aber man kann sehr wohl beweisen, dass es keinen geben kann, der über oben genannte 3 Eigenschaften (allmächtig, allwissend, gütig) verfügt, es müsste immer mindestens eine dieser Eigenschaften fehlen, damit die anderen beiden zutreffen können.

Letzlich gilt, dass weder ein allgemein akzeptierter Gottesbeweis, noch ein allgemein akzeptierter Gegenbeweis existieren. Nicht, dass Theisten jemals jeden noch so guten Gegenbeweis akzeptieren würde…

Und was ist nun mit dem „dritte Mann Phänomen“?

Das oben verlinkte Video über dieses Phänomen hat mich ja eigentlich erst auf die Idee für diesen Artikel gebracht, und nun habe ich das, nach über 2.500 Worten, noch nicht einmal erwähnt…

Also, fassen wir das einmal kurz zusammen:

Bei dem sogenannten „Dritte-Mann-Phänomen“ (Third Man Factor) geht es um Erlebnisse, bei denen Menschen in extremen Stress-, Überlebens- oder Grenzsituationen, plötzlich die Präsenz einer weiteren Person wahrnehmen — obwohl objektiv niemand da ist. Das muss nicht zwingend eine „dritte“ Person sein, aber es handelt sich in der Regel um eine Person, die nicht wirklich anwesend ist, und die dem / der / den Betroffenen irgendwie hilft (einen Weg zeigt, ihnen einfach nur „Mut macht“ oder ähnliches).

Man kennt dieses Phänomen wie gesagt vor allem aus absoluten Überlebens-Situationen, Betroffene sind dabei z.B. Teilnehmer von Arktis-Expeditionen, Bergsteiger, Soldaten im Krieg, Opfer von Naturkatastrophen und ähnliche. Die „dritte“ Person wird in der Regel beschrieben als unsichtbarer Begleiter, beruhigende Stimme, Führer oder Beschützer, oder jemand, der Anweisungen gibt oder einfach Hoffnung vermittelt.

Rationale Erklärungen:

Das ist natürlich keineswegs ein Beweis für einen Gott oder ähnliche, übernatürliche Wesen, vielmehr ist das Ganze ohne weiteres neurologisch und psychologisch erklärbar.

Schutzmechanismus der Psyche

Die Betroffenen befinden sich wie gesagt meist in lebensbedrohlichen Ausnahmesituationen, das bedeutet enormen Stress für das Gehirn. Ähnlich wie bei Missbrauchsopfern erzeugt das Gehirn nun als eine Art Schutzmechanismus diese Begleiter, um unter anderem Panik zu reduzieren, Motivation zu erhalten, strukturierte Entscheidungen zu treffen und Einsamkeit zu kompensieren.

Dazu kommt natürlich, dass durch Angst, Sauerstoffmangel, Unterkühlung (siehe auch die berüchtigte „Kälteidiotie“), Dehydrierung, Hunger, Schlafmangel etc die Wahrnehmungsverarbeitugn deutlich gestört sein kann.

Fehlinterpretation der Selbstwahrnehmung

Eine weitere Theorie, mit welcher man dieses Phänomen erklärt, ist die Fehlinterpretation der eigenen Selbstwahrnehmung.
Man sieht hier die Ursache in einer Störung der Verarbeitung des eigenen Körper- und Selbstgefühls im Gehirn, besonders im Bereich der temporoparietalen Übergangsregion.

Das Gehirn erzeugt ständig ein Modell von: „Ich“, „meine Position“, „mein Körper im Raum“. Dies wird in entsprechenden Ausnahmesituationen vom Gehirn falsch interpretiert und die Betroffenen „sehen“ also tatsächlich eine nicht existente Person.

Man konnte bereits in Experimenten solche Effekte künstlich erzeugen, zum Beispiel durch elektrische Stimulation bestimmter Hirnregionen, sensorische Konflikte oder Isolationsexperimente.

Fazit

Viele dieser Erklärungen zeigen, dass die Berichte über einen „dritten Mann“ keineswegs auf Einbildung oder gar Lügen basieren, die Betroffenen haben diese Personen tatsächlich gesehen, so als würden sie wirklich existieren, nur über natürlich ist daran schlichtweg gar nichts.

Noch etwas zu dem Video:
Man muss natürlich dazu sagen, dass CreepyPastaPunch durchaus (ganz) kurz auf die rationalen Erklärungen eingegangen ist, er hat sie jedoch quasi mit einem „man weiß es nicht“ verworfen, und genau das stimmt eben nicht, man weiß es sehr wohl, auch wenn einige Menschen unbedingt etwas anderes glauben wollen.

Das soll jetzt btw nicht als generelle Kritik an CPP aufgefasst werden, ich sehe mir seine Videos ja durchaus sehr gerne an, sie sind in der Regel auch sehr unterhaltsam. Aber wie er, besonders in letzter zeit, mit dem Wort „Beweis“ umgeht gefällt mir dann doch weniger, denn ein Beweis ist das nicht im entferntesten, und ähnlich sieht es in anderen Videos aus. In der Hinsicht hat er sich halt verschlechtert, keine Ahnung, ob er sich dadurch mehr Klicks verspricht oder ob er den Quatsch mittlerweile selbst glaubt, aber er klärt immer seltener über die wirkliche / wahrscheinlichste Erklärung auf als früher. Und wenn, dann tut er so, als wäre diese kein Beweis (aber das Geschwurbel schon), siehe Ende des Videos.

//Edit: Video eingebettet


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